
Konflikte lassen sich in unserem Leben kaum vermeiden – als Nachbar, Mieter, Arbeitnehmer, Konsument oder Verkehrsteilnehmer erlebt man oft Situationen, in denen Meinungsverschiedenheiten eskalieren und hohe Kosten verursachen können, wenn es zu einem Rechtsstreit kommt. Obwohl die endgültigen Kosten üblicherweise von der Tatsache abhängig sind, ob Du die Schuld trägst oder nicht, muss das Geld für den Rechtsanwalt oder andere juristische Hilfe meistens im Voraus bezahlt werden, bevor Du deine eventuelle Unschuld beweisen kannst.
Damit Ihr Erfolg beim Streit nicht davon abhängt, ob Du das für die Führung des Rechtsstreits notwendige Geld hast oder nicht, sorgt die Rechtsschutzversicherung dafür, dass Du dadurch nicht in finanzielle Schwierigkeiten gerätst. Im Allgemeinen lässt sich die Rechtsschutzversicherung in der Schweiz in die Privat- und den Verkehrsrechtsschutz unterteilen. Du kannst also eine reine Privat- oder Verkehrsrechtsschutzversicherung abschliessen oder eine Kombination von beiden wählen.
Der Privatrechtsschutz deckt die meisten Streitigkeiten ab, die im Privatleben vorkommen können. Wenn dein Arbeitgeber die geleisteten Überstunden nicht auszahlen will, dein Vermieter die Reparatur oder den Austausch des defekten Backofens verweigert, das Hotel Dir trotz Reservation und geleisteter Zahlungen kein Zimmer zur Verfügung stellt oder Du zum Opfer eines Unfalls fällst, der nicht im Strassenverkehr passiert ist, greift die Privatrechtsschutzversicherung zu.
Wie Du siehst, ist der Privatrechtsschutz in vielen Bereichen unseres Privatlebens wirksam. Hier unten stehen einige Beispiele:
Wenn Du einem Spital oder einer Klinik eine schlechte Behandlung vorzuwerfen hast, kannst Du gegen die Einrichtung rechtliche Schritte einleiten. Als Privatperson stehen deine Chancen nicht so gut, doch wenn Du einen starken Partner in Form einer Rechtschutzversicherung hast, bist Du deutlich besser aufgestellt.
Du solltest von deiner Krankenkasse die Rückerstattung der Heilungskosten erhalten, die Kasse weigert sich aber, das Geld auszuzahlen. Der Schutz gilt auch, wenn die anderen Versicherungen in einem Rechtsstreit involviert sind, die trotz eines klaren Anspruchs die Zahlung verweigern.
Wenn Du einen Unfall hattest, kümmert sich die Rechtsschutzversicherung darum, dass Du Soforthilfe und Entschädigung bekommst. Du wirst beraten und erhältst eine entsprechende Vertretung. Solltest Du eine Schadenersatzfrage einreichen wollen, bekommst Du ebenfalls die notwendige Unterstützung – egal aus welchem Grund der Schadenersatz dir zustehen soll.
Die Autoversicherung ist alleine nicht immer ausreichend, um einen kompletten Schutz gegen alle im Strassenverkehr auftretenden Vorkommnisse sicherzustellen. Wenn Du einen Autounfall hattest und dein Auto von einem anderen Verkehrsteilnehmer dabei beschädigt wird, zahlt die Haftpflichtversicherung des Unfallgegners die Reparatur. Dies muss aber leider noch nicht bedeuten, dass alle Probleme vorüber sind – denn was sollst Du tun, wenn die Reparatur nicht richtig ausgeführt wurde und der Zustand deines Autos von dem vor dem Unfall immer noch deutlich abweicht? Damit Du beim Vorgehen gegen den Garagisten bessere Chancen hast, wirst Du durch den Verkehrsrechtsschutz beraten und anderweitig unterstützt.
Doch nicht nur dann ist die Autoversicherung manchmal zu wenig. Immer wenn die Schuldfrage offen bleibt, ist die Verkehrsrechtsschutzversicherung die richtige Adresse. Es kann mehrere tausend Franken kosten, bevor Du deine Unschuld endgültig beweisen – diese Kosten werden vom Verkehrsrechtsschutz übernommen. Wenn Du trotz fehlenden Beweismaterials beschuldigt wirst und Fahrerlaubnisse Dir entzogen werden, ist das auch ein Verstoss gegen das Verkehrsrecht und Du kannst Dich logischerweise dagegen wehren.
Dein Auto wurde von einem anderen Lenker beschädigt, die Schuld wird eindeutig dem Unfallgegner zugewiesen, aber die Haftpflichtversicherung des Unfallgegners verweigert die Bezahlung der Rechnung von der Garage. Dank der Verkehrsrechtsschutzversicherung bekommst Du die notwendige Hilfe und Beratung, um den Fall zu lösen.
Die Verkehrsrechtsschutzversicherung hilft Dir auch dabei, deine Ansprüche gegen deine eigene Autoversicherung geltend zu machen. Wenn deine Kaskoversicherung also den Schaden nicht zahlen will, obwohl Du das tun solltest, ist das ein typischer Verkehrsrechtsschutzfall.
Die Verkehrsteilnehmer beschränken sich nicht auf die Lenker der Motorfahrzeuge. Als Velofahrer oder Fussgänger nimmst Du auch am Strassenverkehr teil und unterliegst somit dem Verkehrsrechtsschutz. Wenn Du zu Fuss unterwegs bist und in einem Verkehrsunfall verletzt wirst, ergeben sich meistens viele Fragen, die oft nur vor Gericht entschieden werden können, z.B. die Frage der Höhe der Dir zustehenden Rente und des Grades der Arbeitsunfähigkeit. Die Anwaltshonorare und Gerichtskosten werden von der Versicherung übernommen.
Die Jahresprämie bei einer Verkehrsrechtsschutzversicherung ist meistens deutlich geringer als ein durchschnittliches Honorar eines Rechtsanwalts. Dadurch ist der Abschluss dieser Versicherung für alle empfehlenswert, unabhängig davon, welche Fahrerlaubnisse man besitzt. Letztendlich schützt die Versicherung auch die Velofahrer, Fussgänger und Benutzer der öffentlichen Verkehrsmittel.
Sowohl in der Privat- als auch in der Verkehrsrechtsschutzversicherung gilt in den meisten Fällen eine Karenzenfrist. Diese Regelung soll den Fall verhindern, dass ein Versicherungsnehmen einen Vertrag abschliesst, wenn ein Rechtsfall bereits vorhanden ist. Die Wartefrist variiert zwischen einem und drei Monaten. Erst nach dem Ablauf dieser Frist kann ein Versicherungsfall gemeldet werden.
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